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Interview mit dem deutschen Musikmagazin ZILLO 05/2000, Ecki Stieg
"Phil Shöenfelt - ein bewegtes und bewegendes Leben"

Die Biographie von Phil Shöenfelt liest sich wie ein Reise- und Erlebnisbericht, der Stoff fĂŒr mindestens 4 Romane liefert, beginnt im London der 70er Jahre, wo der Singer/Songwriter den Punkaufbruch mit seinen Protagonisten wie Siouxsie & The Banshees, The Clash oder den Buzzcocks hautnah miterlebt, fĂŒhrt weiter nach New York, wo Shöenfelt 1979 seine erste Punkband D.C. 10 grĂŒndet, fĂŒhrt zurĂŒck nach London, wo er mit The Fall, Nick Cave (damals noch in Birthday Party) arbeitet, und endet schließlich in Prag, wo der von einer schweren Heroinsucht genesene Phil Shöenfelt zumindest Ă€ußerlich zur Ruhe kommt.

Zwischen 1990 und heute hat Shöenfelt fĂŒnf exquisite Alben eingespielt und hat zahlreiche Tourneen im Vorprogramm des Mannes absolviert, mit dem er bis heute immer wieder verglichen wird: Nick Cave. Dabei hat Shöenfelt den heute als "Cave-typisch" bezeichneten Stil fĂŒr sich bereits manifestiert, als Cave selbst mit Birthday Party noch gĂ€nzlich andere Pfade beschritt. Doch auch mit seinem neuen Album "Dead Flowers For Alice" (Zyx) dĂŒrfte es Shöenfelt schwer haben, diesen ewig gezogenen Vergleich abzuschĂŒtteln. Dabei gibt es durchaus Parallelen, die aber nicht zwangslĂ€ufig musikalischer Natur sind.

Phil Shöenfelt:
"Nick ist ein großartiger Songschreiber und Performer, doch es gibt unzĂ€hlige Unterschiede. Nick ist weitaus theatralischer als ich, rein tonal mögen unsere Stimmen Ă€hnlich sein, dennoch sind sie höchst unterschiedlich. Wir beide singen mit tiefen Stimmen, doch das tun SĂ€nger wie Scott Walker, Iggy Pop oder Ian Curtis ebenso. TatsĂ€chlich wurde ich stĂ€ndig mit Ian Curtis verglichen, bevor Nick berĂŒhmt wurde. Wir beide haben aber Ă€hnliche Erfahrungen gemacht, von daher gibt es schon Parallelen. Dennoch behagt mir der ebenfalls oftmals gezogene Vergleich mit Leonard Cohen weitaus mehr. Cohen und alte Delta Blues Singer wie Robert Johnson sind meine eigentlichen Wurzeln - und von denen ist wiederrum Nick Cave inspiriert worden."

Wie auch schon die vorangegangenen Alben wurde auch "Dead Flowers For Alice" in Prag mit der Band "Southern Cross" aufgenommen, die ausnahmslos aus tschechischen Musikern besteht.

Phil Shöenfelt:
"Ich bin in diese Stadt gekommen, weil meine derzeitige Freundin hier lebt. Ich liebe Prag und seine Energie. In gewisser Hinsicht erinnert mich Prag an Manhattan, allerdings ohne die harten Drogen und die Gewalt. Kunst, Geschichte, Literatur und Film sind hier eng miteinander verknĂŒpft, man trifft immer wieder Menschen, die einen inspirieren und mit denen man arbeiten kann. Das Leben hier hat mir ermöglicht, meine Musik abseits des Mediendiktats einer Stadt wie London z.B. zu entwickeln und atmen zu lassen, zudem ist hier alles viel entspannter. Die bohĂ©me AtmosphĂ€re dieser Stadt mit ihrer gotischen Architektur und dunklen magischen Energie hat mich nicht nur inspiriert, diese Stadt fĂŒttert mich geradezu!"

Wie auch auf den frĂŒhen Alben "Backwoods Crucifixion" oder "God Is The Other Face Of The Devil" ist auch "Dead Flowers For Alice" von religiöser Thematik und Fragestellung durchzogen - eine weitere Parallele zu Cave und Cohen...

Phil Shöenfelt:
"Ich bin definitiv kein neugeborener Christ oder etwas in der Richtung. Ich bin weit mehr an okkulten Philosophien als am Christentum interessiert, dennoch hat mich vor allem das Alte Testament so fasziniert, wie es auch die alten Bluesmusiker inspiriert hat. In der Tat verbindet Blues die AtmosphÀre und Bilder des afrikanischen Voodoo mit den Bildern der Bibel. Und darum geht es mir: Ich liebe die Kraft der biblischen Bilder und Symbole. Und als Mensch der westlichen Kultur kann ich mich dem Einfluss des Christentums kaum entziehen, es hat uns geformt, zum Guten und zum Schlechten. Darum geht es auch in einem Song wie "Ballad Of Elijah Cain", der die Frage stellt, was wir aus der ganzen Geschichte gelernt haben und wohin wir in diesem neuen Jahrtausend gehen werden. Es ist kein politischer Text, da ich so etwas im Kontext der Rockmusik immer schon abgelehnt habe, sondern ich versuche diese Fragen in einer poetischen, sehr intuitiven Art und Weise zu stellen."

Auch der Rest der Songs auf "Dead Flowers For Alice" zeichnet sich vornehmlich durch sehr intime, persönliche, teilweise sehr offenbarende Texte aus, wie das bewegende "Darkest Hour"

Phil Shöenfelt:
"In 'Darkest Hour' geht es um SĂŒnde, spirituellen Tod und die mögliche Wiedergeburt. Ich bin kein Flagellant, aber es gibt gewisse Perioden in meinem Leben, auf die ich nicht besonders stolz bin. Ich war 11 Jahre heroinabhĂ€ngig - und obwohl es in 'Darkest Hour' nicht vordergrĂŒndig um diese AbhĂ€ngigkeit geht, ist es schon ein Song ĂŒber die GefĂŒhle der Selbstverachtung, die eine solche Sucht mit sich bringt. Ich habe 1988 aufgehört Heroin zu nehmen und bin jetzt glĂŒcklicher und positiver als ich es je in meinem Leben war."

Somit ist auch "Dead Flowers For Alice" trotz der vornehmlich die dunklen Seiten des Lebens auslotenden Thematik kein depressives oder gar nihilistisches Album, sondern das aus diversen Fragmenten und Emotionen zusammengefĂŒgte Konzeptwerk eines gelĂ€uterten, gereiften KĂŒnstlers.

Phil Shöenfelt:
"Ja, es ist schon ein Konzeptalbum. Es ist ein Blick zurĂŒck und durch die Verwertung der gewonnenen Erfahrungen auch ein Blick in die Zukunft. Also ein RĂŒckblick auf einer persönlichen, aber auch kulturellen Ebene. Ich bin jetzt ĂŒber 40 Jahre - und vielleicht ist dies einfach eine ganz natĂŒrliche Art, persönliche Dinge zu verstehen und zu absorbieren, um der Zukunft mit positiver Energie und einem GefĂŒhl der Orientierung zu begegnen."

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