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Interview with RADIO PRAHA 20/09/2004, by Anita M├╝ller
"Ein Brite in Prag"

Was zieht so viele ausl├Ąndische K├╝nstler, Musiker und Schriftsteller nach Prag? Die meisten, die man danach fragt, werden antworten: sie kamen zuf├Ąllig. Und die Stadt hat sie einfach nicht gehen lassen. Dem Schriftsteller und Musiker Phil Shoenfelt ging es auch so. Seit neun Jahren lebt der geb├╝rtige Brite jetzt in Prag. Letzte Woche hat er in Prag wieder eine Lesung mit Konzert veranstaltet. Anita M├╝ller hat sich mit ihm ├╝ber Prag, die Musikszene und Phil Sh├Âenfelts Buch "Junkie Love" unterhalten.

Phil Shoenfelt ist ein weit gereister Musiker und Schriftsteller. Er hat lange in London und New York gelebt. In seinem Buch "Junkie Love" verarbeitet er seine Drogenerfahrungen und Beziehungen zu einer halb autobiografischen Erz├Ąhlung. Die wandelt irgendwo in der N├Ąhe der Spur von Jack Kerouac. Im Prager Stadtteil Vinohrady hat er letzten Mittwoch eine Lesung und ein Konzert veranstaltet. In seiner Musik konserviert Phil Sh├Âenfelt auch viele Erlebnisse und Schicksale aus seiner Zeit in New York und London.

Die beiden Protagonisten im Buch "Junkie Love" irren herum in verworrenen Beziehungen: Zwischen Heroin, Sex und der Verneinung einer modernen B├╝rgerlichkeit verlieren sie sich in einer unerf├╝llbaren Liebe. Die Gesellschaft, die den Wert des Menschen nach dem Prinzip "haste was, biste was" bemisst, verachten sie. Phil hat diese Geschichte mehr oder weniger selbst so erlebt. Wie schafft man es, auf eine solche Lebensspanne voller Grenzerfahrungen n├╝chtern zur├╝ckzublicken? Sie sogar in Literatur und Musik zu verarbeiten? Phil Shoenfelt erz├Ąhlt, was dieses Zur├╝ckblicken bei ihm mit Prag zu tun hat:

"Was an Prag so gro├čartig ist, ist, dass es mir die M├Âglichkeit gibt, auf das, was vorher passierte eine Draufsicht zu haben und dass es mir eine gewisse Distanz dazu verleiht. Das schl├Ągt sich dann in meinen B├╝chern und meiner Musik nieder. Die fr├╝he Phase meines Lebens war sehr chaotisch und wild und ich habe f├╝nf Jahre in New York gelebt und das war vollkommen verr├╝ckt, das war auch nicht besser, und ich denke jetzt in Prag habe ich ein bisschen mehr Stabilit├Ąt. In London und New York gab es zu viele Drogen und verr├╝cktes Zeug und ich habe nicht wirklich begriffen, was eigentlich mit mir passiert und seit ich in Prag bin, habe ich eine Perspektive auf das, was vorher geschehen ist."

Nat├╝rlich kann man eine Stadt wie Prag mit einer Million Einwohnern nicht einfach so mit einer Metropolis wie London vergleichen. Trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - hatte Prag Klauen genug, Phil Shoenfelt vor fast zehn Jahren hierher zu ziehen: Denn eigentlich war er nur auf Tour gewesen und f├╝r wenige Tage in der Stadt unterwegs. Eine ganz andere Atmosph├Ąre in der Musikszene unterscheide Prag auch von London oder New York: "Hier gibt es eine echte Gemeinschaft von K├╝nstlern und Musikern und ich mag den Umgang hier, es geht vielmehr um die Musik selbst. In London dagegen habe ich mich nicht mehr als Teil dessen gesehen, was passiert ist, weil alles dort absolut medienzentriert und modegeil ist. Diese Mode ├Ąndert sich dann alle drei bis sechs Monate und die Musik geht dazwischen vollkommen verloren. Alles hat nur mit Mode zu tun."

In Deutschland gibt Phil Shoenfelt auch oft Lesungen und Konzerte. Denn dahin ist es ja nur ein Katzensprung. Vorzugsweise ist er dann in der grenznahen Dresdner Gegend unterwegs. Kommenden Herbst zum Beispiel wird er mit seiner Band "The Southern Cross" wieder durch Dresden, Leipzig, Chemnitz und Umgebung touren.

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